„Wir fordern uns gerne“
Gastgeberfamilie Falkner-Simon in Oetz im Gespräch
Erstveröffentlichung am 24. März 2026
Ein Unternehmerpaar, das Verantwortung übernimmt & neue Wege im Tourismus geht.
Stephanie Falkner-Simon und Manuel Falkner-Simon leiten gemeinsam den Fleischhof Oberland. Ende 2024 haben sie ihr Appartement-Haus Tante Trude mit dem Restaurant feline in Oetz eröffnet. Im Interview verraten sie, was sie beruflich motiviert und wie sie neben ihren fordernden Aufgaben Zeit für sich selbst finden.
ÖTZTAL BLICK: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen Gastgeber in Oetz zu werden?
Stephanie Falkner-Simon: Mein verstorbener Vater Mike Falkner war seit Ende der 1990er Jahre Besitzer des Alpenhotels. Das Haus brauchte Modernisierung, verschiedene Umbauten wären nötig gewesen. Letztlich haben wir uns nach einer längeren Nachdenk- und Projektierungsphase für die Realisierung eines Appartement-Hauses entschlossen. In diesem Zuge konnten wir auch unseren eigenen Traum vom Eigenheim realisieren. Wir waren schon länger auf der Suche nach einem passenden Zuhause. Für mich als Oetzerin war meine Heimatgemeinde mehr als naheliegend.
ÖTZTAL BLICK: Was macht Oetz für Euch besonders?
Manuel Falkner-Simon: Oetz hat viele wunderbare Seiten, als Wohnort genauso wie als Ort zum Arbeiten. Wir haben einen schönen historischen Dorfkern, indem wir nun zuhause sind, es gibt das Skigebiet, die wunderbare Natur mit dem Piburger See. Vieles ist hier über Generationen gewachsen. Als Familie und als Gastgeber können wir auf all das zurückgreifen.
ÖTZTAL BLICK: War ein Hotelneubau jemals ein Thema für Euch?
Stephanie Falkner-Simon: Unsere Aufgaben im Fleischhof Oberland sind anspruchsvoll. Diesen gilt nach wie vor unser Hauptaufgabenmerk. Ein Appartementbetrieb lässt sich damit einfach besser vereinbaren. Zudem haben wir als Eltern das Thema Reisen stark aus dem Blickwinkel junger Familien betrachtet. Wir konnten uns sehr gut in die Bedürfnisse dieser speziellen Zielgruppe versetzen, für die eine Ferienwohnung in Oetz ein ideales Urlaubsangebot darstellt.
ÖTZTAL BLICK: Ihr habt es aber nicht dabei belassen, sondern auch noch das Restaurant feline eröffnet.
Manuel Falkner-Simon: Uns wurde von verschiedensten Seiten abgeraten, das zu tun. Ein Restaurantbetrieb sei nicht leicht zu führen, das würde sich nicht rechnen, waren die gängigsten Einwände. Als Geschäftsführer des Fleischhof Oberland war es mir aber ein spezielles Anliegen, nicht nur für die Beherbergung von Gästen zu sorgen, sondern auch für deren Verpflegung. Unser Tourismus braucht ein hochwertiges Gastronomieangebot. Es ist wichtig, dass sich engagierte Kräfte dieser Aufgabe stellen. Wir wollten uns davon nicht ausnehmen. Wenn man dieses Projekt mit dem notwendigen betriebswirtschaftlichen Augenmerk auf die Zahlen angeht, und das ist unser Ansatz, dann funktioniert es auch.
ÖTZTAL BLICK: Stephanie, man sieht dich immer wieder selbst in Eurem Lokal, in dem Thomas Schneider als Restaurantleiter angestellt ist.
Stephanie Falkner-Simon: Ich bin gemeinsam mit meinem Mann, meinen Kindern oder auch Freundinnen sehr gerne im Restaurant. Man trifft immer nette Leute und es ergeben sich viele interessante Gespräche. Es ist eine schöne Möglichkeit, im Austausch mit Menschen zu sein. Das ist etwas, das ich schon immer gerne mochte. Und natürlich liebe ich die mediterran-italienischen Gerichte unseres Küchenteams. So lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Es ist mir wichtig, laufend einen persönlichen Eindruck von der Qualität des Betriebes zu erhalten.
ÖTZTAL BLICK: Wie viel Zeit kannst oder möchtest Du als Unternehmerin selbst vor Ort verbringen, du hast schließlich daneben auch noch andere anspruchsvolle Aufgaben?
Stephanie Falkner-Simon: Meine Arbeit als Inhaberin des Fleischhof Oberland und die Marketing-Verantwortung für die feline KG lassen nur begrenzt Zeit, meine schulpflichtigen Kinder brauchen mich auch. Mit Thomas haben wir erfreulicherweise einen Restaurantleiter, der das gemeinsam mit seinem Team sehr gut macht. Ich empfinde aber große Sympathie für diese Sphäre und schätze die persönlichen Begegnungen. Es scheint wohl eine familiäre Prägung zu geben. Meine beiden Tanten haben diese Tätigkeit stets mit großer Leidenschaft verfolgt. Auch meine Schwester übt diesen Beruf mit Herzblut aus. Und die Namensgeberin unseres Hauses, meine Großtante Trude, war ebenfalls Hotelierin mit Leib und Seele.
ÖTZTAL BLICK: Ihr habt Ende 2024 eröffnet. Wie zufrieden seid Ihr mit der Resonanz auf Euer Angebot?
Manuel Falkner-Simon: Sehr, das Feedback ist wirklich erfreulich. Viele unserer Gäste in den Appartements sind begeistert von der Wohnqualität im Tante Trude. Ganz besonders freut uns, dass viele Einheimische aus dem Ötztal und Inntal ins feline kommen. Sie genießen unsere Interpretation einer authentischen italienischen Küche und die Atmosphäre. Schön zu sehen ist, dass unsere Gäste entspannt einen Abend hier verbringen. Von der Frauen-Freundesgruppe bis zu Paaren – wir hören sehr oft, dass man bei uns einfach gerne länger sitzen bleibt.
ÖTZTAL BLICK: Viele Beherbergungsbetriebe haben ein Problem mit der Nachfolge. Ihr gehört einer jungen Generation von Tourismus-Unternehmern an, die Gefallen an dieser Aufgabe findet. Was hat Euch dazu motiviert?
Stephanie Falkner-Simon: Wir hatten die Möglichkeit, von Grund auf etwas Neues zu gestalten und unsere Ideen zu realisieren. Jetzt zu sehen, dass wir mit diesem Konzept viele Menschen als Gäste gewinnen und begeistern können, ist ein sehr schönes Erfolgserlebnis. Außerdem hatten und haben wir Rückhalt und fachliche Unterstützung von meinen Tanten Angelika und Elisabeth (†). Das hilft uns sehr. Außerdem haben wir mit Thomas und Rosi Schneider zwei ausgewiesene Gastgeber-Persönlichkeiten gewinnen können, die ihre frühere Arbeit am selben Ort inmitten einer neuen Umgebung sehr gut fortsetzen. Aber es war zugegeben ein großer Schritt, der Entschlossenheit verlangt.
Manuel Falkner-Simon: Es liegt in unserer Natur, dass wir uns beide gerne fordern, sowohl beruflich als auch im sportlichen Bereich. Je mehr wir uns mit der Entwicklung des Hauses und des Restaurants beschäftigt haben, umso mehr sind wir mit dieser Herausforderung gewachsen und haben uns mehr und mehr daran begeistert. Das ist eine bereichernde Entwicklung, die uns Freude macht. Man investiert viel Energie, bekommt aber auch viel Energie zurück.
ÖTZTAL BLICK: Ihr führt neben der Tante Trude und dem feline auch noch den Fleischhof Oberland. Wie groß ist die Herausforderung, daneben noch Zeit fürs Privat- und Familienleben zu finden?
Stephanie Falkner-Simon: Wir reservieren uns bewusst Inseln der gemeinsamen Zeit als Paar und als Familie. Mit dem Hund im Wald zu spazieren ist so eine Kraftquelle. Und natürlich der Sport, den wir beide konsequent als Ausgleich betreiben. Neuerdings tasten wir uns ans Eisbaden heran. Das hat eine erstaunlich wohltuende Wirkung für Körper und Geist.
ÖTZTAL BLICK: Und wie geht es Euch damit, auch beruflich gemeinsam gefordert zu sein?
Manuel Falkner-Simon: Es ist ein Glücksfall, dass wir beruflich gut harmonieren. Wir stimmen uns ab und ergänzen uns mit den jeweiligen Stärken. Die Aufgaben teilen wir dementsprechend auf. Wir sind uns ähnlich darin, Dinge fundiert durchzudenken, dann aber schnelle Entscheidungen zu treffen.
Stephanie Falkner-Simon: Man wächst an diesen gemeinsamen Aufgaben und entwickelt auch eine gewisse Resilienz. Es entsteht ein Grundvertrauen, dass Dinge gelingen werden, auch wenn etwas nicht sofort so geht, wie man sich das vorgestellt hat.
Zu den Persönlichkeiten
Stephanie Falkner-Simon, aufgewachsen in Oetz und Sölden, hat in Innsbruck Literatur- und Sprachwissenschaft studiert. Nach einer Babypause war sie mehrere Jahre in einer Agentur für Unternehmenskommunikation beschäftigt. Seit 2022 ist sie Inhaberin vom Fleischhof Oberland. Zudem verantwortet sie das Marketing der feline KG. Sie mag Cross-Fit, ein gutes Buch und Spaziergänge rund um den Piburger See.
Manuel Falkner-Simon, aufgewachsen in Längenfeld, hat in Innsbruck Erziehungswissenschaften studiert. Seit 2014 ist er fest mit dem Familienunternehmen Fleischhof Oberland verbunden. Er hat alle Arbeitsbereiche des Großhändlers für Lebensmittel durchlaufen und die Bereiche Produktion und Marketing geleitet, eher er 2021 Mitglied der Geschäftsführung wurde. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der feline KG. In seiner Freizeit powert sich der begeisterte Cross-Fitter sportlich aus und holt sich als Hobby-Koch ebenso Energie zurück wie beim Spazieren mit dem Familien-Vierbeiner.
„Tante Trude“
„Tante Trude“ war die Frau von Gebhard Falkner, dem jüngsten Bruder von Tourismuspionier „Buggls“ Hans Falkner. Edeltrude Falkner stammte aus einer Schwazer Unternehmer-Familie und prägte als Gastgeberin das Alpenhotel Oetz. Die Doktorin der Weltwirtschaft war bis Mitte 90 als Künstlerin aktiv. In jungen Jahren reiste die selbstbewusste Frau per Moped durch Italien. Die Appartements im nach ihr benannten Haus in Oetz sind nach Trudes Lieblingsstädten benannt, darunter viele italienische.