„Verantwortung wächst mit der Zeit“

Magdalena Lengler im Gespräch

Erstveröffentlichung am 24. März 2026

Eine Gastgeberin, die ihren Weg bewusst gestaltet

Die Längenfelderin Magdalena Lengler führt das 4-Sterne-Hotel Rita in Längenfeld. Früh ist sie in den Familienbetrieb hineingewachsen. Im Interview erzählt sie, warum Gastgebersein für sie eine Haltung ist und wie Tourismus im Alltag als selbstverständlicher Teil des Lebensraums funktionieren kann.

„Die Freiheit, sich zu verändern“

ÖTZTAL BLICK: Magdalena, du hast früh Verantwortung im Familienbetrieb übernommen. Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Jetzt ist es wirklich deine Aufgabe?

Magdalena Lengler: Diesen besonderen Einzelmoment gab es nicht. Das Bewusstsein ist mit der Zeit gewachsen. Wirklich klar wurde mir meine Rolle mit Anfang 30. Entscheidend war für mich der Gedanke, dass Führung kein Zustand für die Ewigkeit sein muss. Diese Freiheit hat es mir leichter gemacht, Verantwortung zu übernehmen.

„Entscheidungen von Anfang an gemeinsam getroffen“

ÖTZTAL BLICK: Das Hotel Rita trägt den Namen deiner Mutter. Wie gelingt es, einen Betrieb weiterzuführen, ohne im Schatten der Vorgängergeneration zu stehen?

Magdalena Lengler: Ich hatte nie dieses Gefühl. Als wir zusammen gearbeitet haben, wurden Entscheidungen von Anfang an gemeinsam getroffen. Meine Mutter hat über Jahrzehnte Unglaubliches geleistet, vieles davon ganz allein. Das habe ich immer sehr geschätzt und nie infrage gestellt. In der Haltung gegenüber unseren Gästen sind wir uns als Personen auch sehr ähnlich.

© Hotel Rita / Stefanie Fiegl

Eigene Art der Führung

ÖTZTAL BLICK: Welche Eigenschaft musstest du dir als Unternehmerin erst aneignen?

Magdalena Lengler: Mein Umgang mit Mitarbeitenden hat sich stark verändert und zwar sehr positiv. Ich habe eine Art zu führen entwickelt, die zu mir passt: freundlich, nicht von oben herab, gemeinschaftlich. Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen.

Raum für Begegnung

ÖTZTAL BLICK: Ein Hotel ist nie nur ein Betrieb, sondern Teil eines Ortes. Welche Verantwortung ergibt sich daraus für dich?

Magdalena Lengler: Für mich ist es wichtig und sehr schön, auch für Einheimische da zu sein. Etwa bei Hochzeiten, Taufen oder anderen Feierlichkeiten. So bleibt das Hotel ein Ort der Begegnung für Gäste und Einheimische gleichermaßen. Wichtig ist mir außerdem, dass Tourismus richtig wahrgenommen wird. Der Tourismusverband übernimmt hier viel Verantwortung gegenüber Gemeinde und Tal, etwa bei Projekten wie dem neuen Spielplatz in Längenfeld.

Längenfeld, Gruppe, Einzelperson, Winter, Aqua Dome Längenfeld, Gruppe, Einzelperson, Winter, Aqua Dome

© Ötztal Tourismus - Markus Geisler

Mitgestalten auf Destinationsebene

ÖTZTAL BLICK: Seit Ende 2025 bist du Mitglied im Aufsichtsrat von Ötztal Tourismus. Was hat dich dazu bewogen, diese zusätzliche Verantwortung zu übernehmen?

Magdalena Lengler: Manchmal tut ein weiblicher Touch ganz gut. Vor allem aber war meine Verbundenheit zum Tal und Tourismus ausschlaggebend. Die Möglichkeit, gewisse Entwicklungen mitgestalten zu dürfen, hat mein Interesse geweckt.

ÖTZTAL BLICK: Was siehst du aus Gastgeberinnen-Perspektive heute anders, wenn es um die Entwicklung der Destination Ötztal geht?

Magdalena Lengler: Ich halte eine differenzierte Destinationsentwicklung für sehr wichtig mit unterschiedlichen Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen. Längenfeld ist eine der nächtigungsstärksten Gemeinden im Tal, obwohl es hier kein Skigebiet gibt. Der grobe Fahrplan mit all seinen Facetten muss gut aufeinander abgestimmt sein.

Akzeptanz entsteht im Alltag

ÖTZTAL BLICK: Du lebst und arbeitest im selben Ort. Wie wichtig ist es dir, dass Tourismus im Alltag der Einheimischen nicht als Belastung wahrgenommen wird?

Magdalena Lengler: Das hat hohe Relevanz. Wir beschäftigen viele einheimische Mitarbeitende und versuchen, flexibel auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Ob bei Arbeitszeiten, Ferien oder persönlichen Situationen. Akzeptanz entsteht aus dem täglichen Miteinander.

Abstand gewinnen, Klarheit finden

ÖTZTAL BLICK: Was hilft dir persönlich, Abstand vom Betrieb zu gewinnen und den Blick wieder zu klären?

Magdalena Lengler: Die Zeit mit meinen Kindern hilft mir sofort. Auch Reisen und Bewegung in der Natur beim Skifahren oder Wandern geben mir neue Perspektiven und Energie.

© Hotel Rita / Stefanie Fiegl

Facts

Hotel Rita | Längenfeld

  • Eröffnung: Winter 1969/70

  • Anfang: kleines Hotel mit Zimmern und Frühstück

  • Entwicklung: Magdalenas Mutter Rita baute den Betrieb über viele Jahre Schritt für Schritt aus und entwickelte ihn zu einem 4-Sterne-Haus

  • Heute: rund 100 Betten

  • Team: im Sommer bis zu über 40 Mitarbeiter:innen