35 Jahre Ötzi-Fund

Erstveröffentlichung am 14. September 2026

Vom Eis-Rätsel zur Erfolgsgeschichte

Als am 19. September 1991 am Tisenjoch eine Gletschermumie entdeckt wurde, war die Tragweite des Funds noch nicht absehbar. Dreieinhalb Jahrzehnte später steht fest: Ötzi hat das Tal über Jahrzehnte geprägt. Die Kupferzeit-Mumie hat nicht nur die Archäologie revolutioniert, sondern auch das regionale Selbstbewusstsein gestärkt und mit der Errichtung des Ötzi-Dorfs in Umhausen angeregt, ein ganzjähriges Erlebnisareal zu schaffen. Davon profitieren Bevölkerung, Landwirtschaft und Tourismusbetriebe. 

Ein Vorfahre stärkt das Selbstbewusstsein des Tals

Der Fund löste vor 35 Jahren ein großes internationales Medienecho aus. Während internationale Zeitungen noch Bezeichnungen wie „Frozen Fritz“ oder „The Man from Tisenjoch“ lancierten, prägte der österreichische Journalist Karl Wendl den Namen: Er kombinierte Ötztal und Yeti zu Ötzi. Trotz der Skepsis seiner Chefredakteure setzte sich der Begriff weltweit durch und schaffte es sogar als Allgemeinwissen bis ins Kreuzworträtsel. Prominente Multiplikatoren wie die Bergsteigerlegenden Reinhold Messner, Hans Kammerlander und der berühmte Volkskundler Hans Haid – damals zufällig auf der Similaunhütte – verliehen der Nachricht vom Fund zusätzliche Strahlkraft. Auch der Venter Markus Pirpamer war nach den Findern einer der ersten Menschen vor Ort am Tisenjoch.

Ötzi ist ein absoluter Glücksfall. Er hat einen nachhaltigen Beitrag zum Selbstbewusstsein der Ötztalerinnen und Ötztaler geleistet.

Ernst Schöpf, Zeitzeuge und ehemaliger Bürgermeister von Sölden

Vom archäologischen Boom zum Motor für das mittlere Ötztal

Welche weitreichenden Folgen der Fund hatte, zeigt sich am Standort Umhausen. Vor 25 Jahren wurde das Ötzi-Dorf als archäologisches Freilichtmuseum eröffnet. Damals rechneten viele damit, dass das Interesse nach wenigen Jahren verfliegen würde. Es kam anders: Im August 2023 begrüßte das Ötzi-Dorf seinen millionsten Besucher.

Heute verzeichnet allein das Ötzi-Dorf über 50.000 Besucher:innen pro Jahr. Als Ensemble mit den angrenzenden Attraktionen wie dem Greifvogelpark, dem Natur-Badesee Umhausen, dem Stuibenfall sowie dem Ice Park lockt das Freilichtmuseum jährlich zwischen 150.000 und 200.000 Gäste an. 

Liste:

  • Ganzjährige Wertschöpfung: Das Freizeit-Areal schafft Arbeitsplätze im mittleren Ötztal abseits des klassischen Wintertourismus.
  • Gastronomie & regionale Landwirtschaft: Die Besucherströme von Frühjahr bis Herbst sichern umliegenden Gastronomiebetrieben und Unterkünften eine solide Auslastung.
  • Heimvorteil: Einheimische Schulklassen und Familien nutzen Ötzi-Dorf und Greifvogelpark als erlebnisreichen Lernort bzw. als attraktives Erlebnisziel (Badesee, Ice Park, …) direkt vor der Haustür. 

„Ötzi Origin“: Digitales Zeitalter und grenzenlose Vernetzung

Zum 35-Jahr-Jubiläum schlägt das Ötzi-Dorf das nächste Kapitel der Wissensvermittlung auf. Unter dem Titel „Ötzi Origin – Digitale Vermittlung von der Fundstelle Tisenjoch“ startet ein grenzüberschreitendes Euregio-Interreg-Projekt. Herzstück ist die neu gestaltete 1:1-Nachbildung der Fundstelle im Ötzi-Dorf: Ein interaktiver Touchscreen bietet Fundkarten in fünf Sprachen, während hochauflösende Panoramaaufnahmen und eine Live-Webcam eine direkte visuelle Verbindung zum Tisenjoch herstellen. Ein exklusives Erklärvideo mit dem wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Walter Leitner – gedreht am Originalschauplatz auf 3.210 Metern – vermittelt die Fundsituation fundiert und anschaulich. 

TV-Tipp: Längenfelder Regisseur setzt Ötzi in Szene

Anlässlich des 35-Jahr-Jubiläums widmet ORF III der Gletschermumie eine neue TV-Dokumentation. Besondere Auszeichnung für das Ötztal: Regie führte der gebürtige Längenfelder Kurt Reindl.

Die Dokumentation „Faszination Ötzi – 35 Jahre Gletschermumie“ spannt den Bogen von verblüffenden wissenschaftlichen Entdeckungen – wie etwa lebenden Hefen aus Ötzis Magen, aus denen ein schmackhafter Sauerteig gebacken werden konnte – bis hin zum ersten KI-gestützten Fernsehinterview mit der Mumie.

Sendetermine (ORF III):

  • Erstausstrahlung: Samstag, 19. September 2026, um 12:50 Uhr
  •  Wiederholung: Montag, 21. September 2026, um 16:10 Uhr

35 Jahre Ötzi-Fund & Ötzi-Dorf Umhausen

  • Funddatum: 19. September 1991 am Tisenjoch (3.210 m) durch Erika und Helmut Simon.
  • Namensursprung: Wortkreation aus Ötztal und Yeti durch den Journalisten Karl Wendl.
  • Besucherrekord: Über 1 Million Besucher seit der Eröffnung des Ötzi-Dorfs im Jahr 2000.
  • Jahresfrequenz: 50.000 Besucher:innen im Ötzi-Dorf; 150.000 bis 200.000 Besucher:innen im Gesamtareal (Ötzi-Dorf, Greifvogelpark, Badesee, Stuibenfall, Ice Park).
  • Neuerung 2026: Euregio-Projekt „Ötzi Origin“ mit digitaler Fundstellen-Nachbildung (75-Zoll-Touchscreen, Live-Webcam, Erklärvideo mit Prof. Walter Leitner) und grenzüberschreitender Kooperation mit dem Schnalstal und Bozen.