80 Jahre Auer Bau

Erstveröffentlichung am 19. Oktober 2026

Vier Baumeister, ein Name

Seit 1946 prägt das Familienunternehmen aus Umhausen das Gesicht des Ötztals. Vom Hotelzubau bis zur regionalen Arbeitsgemeinschaft beim AQUA DOME, vom Bruchstein zur Virtual Reality.

Wer durchs Tal fährt, kommt an Auer Bau kaum vorbei. Zumindest nicht an ihren Projekten: Von der Kirche in Ötztal Bahnhof über Hotels und Pensionen, Schulen und Brücken bis hin zu vielen Einfamilienhäusern: Das Familienunternehmen aus Umhausen hat viele Bauherren begleitet. Am 1. Oktober 1946 gründete Maurermeister Albuin Auer gemeinsam mit seinem Bruder, dem Zimmermeister Adolf Auer, den Betrieb mit Standorten in Umhausen und Ötztal Bahnhof. 2026 feiert das Unternehmen sein 80-jähriges Bestehen.

Vom Vater übernommen, vom Tourismus getragen

1966 gingen die beiden Brüder getrennte Wege. Albuin Auer blieb mit Auer Bau in Umhausen. Sein Sohn Klaus maturierte im selben Jahr und begann nach dem Präsenzdienst in Wien Bauingenieurwesen zu studieren. Als der Vater 1969 plötzlich starb, brach er das Studium ab, kehrte heim und legte die Baumeister- und die Zimmermeisterprüfung ab. „Es war für mich immer selbstverständlich, dass ich einmal in den väterlichen Betrieb einsteige”, erinnert er sich.

Der Alltag auf den Baustellen sah damals anders aus als heute. Es gab viel Handarbeit, die Häuser entstanden teils noch aus Bruchstein, der Ziegel setzte sich erst nach und nach durch. Mit den Jahren hielten Maschinen Einzug und erleichterten die Abläufe. Die Kund:innen kamen bereits damals hauptsächlich aus dem Tourismus, in den 1950er- und 1960er-Jahren erlebte das Tal einen wirtschaftlichen Aufschwung. Gebaut wurde im Ötztal und im Inntal zwischen Imst und Telfs: Hotels, Zubauten, Umbauten, Sanierungen.

Auer Bau Meilensteine

  • 1946: Gründung durch Albuin und Adolf Auer

  • 1966: Trennung der Brüder, Albuin Auer führt Auer Bau in Umhausen weiter

  • 1969: Klaus Auer übernimmt nach dem Tod seines Vaters

  • 1973: Erstes Betonwerk im Ötztal

  • 2000: Zweites Standbein Wasserkraft, erstes Kraftwerk

  • 2010: Stefan Auer steigt ins Unternehmen ein

  • 2023: Neuer Firmenstandort in der ehemaligen Straßenmeisterei Umhausen

„Man sieht, was man getan hat“

Fragt man Klaus Auer nach besonderen Projekten, weiß er nicht, wo er anfangen soll. Der sechsgeschossige Zubau des traditionsreichen Hotels Hochfirst in Obergurgl war damals ein Großprojekt. Zu den besonderen Projekten zählen auch die Pension Bergland, der Grundstein des heutigen Hotels Bergland in Sölden, und zahlreiche weitere Hotels. Gebaut wurde auch der erste Lift in Sölden, zu einer Zeit, als es nach Hochsölden noch keine Straße gab und das Material mit einer Seilbahn hinaufgebracht werden musste. Hinzu kamen zahlreiche weitere Höhenbaustellen wie das Bundessportheim und Stützpunkte der Zollwache, Hütten für den Deutschen Alpenverein, außerdem Brücken und andere konstruktive Betonbauten. Im Erdbau war das Unternehmen früher ebenfalls tätig und wirkte etwa an der Niederthaier Straße und an der Ötztaler Gletscherstraße mit.

Beim AQUA DOME schloss sich Auer Bau gemeinsam mit weiteren Ötztaler Unternehmen in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zusammen, was österreichweit für Aufmerksamkeit sorgte. Neben den touristischen Projekten errichtete das Unternehmen auch viele Schulgebäude im Tal.

„Man sieht, was man getan hat”, betont Stefan Auer. Das sei das Positive an der Arbeit in der Baubranche. Dass man das Tal mitgeprägt habe, erfüllt ihn mit Stolz.

„Baumeister-reiche“ Familie

Im Jahr 2000 setzte Klaus Auer auf ein zweites Standbein und errichtete das erste Wasserkraftwerk. Die Idee hatte er bereits in seiner Studienzeit in Wien im Kopf. Inzwischen wurden mehrere Projekte mit der Auer Wasserkraft GmbH umgesetzt.

Von den fünf Kindern sind die vier Söhne im bzw. in den Familienunternehmen tätig. Stefan leitet als Geschäftsführer die Auer Bau GmbH, Albin ist Geschäftsführer der Auer Wasserkraft GmbH sowie Auer Liegenschaftsverwaltung GmbH, Hannes ist für die überregionale Projektentwicklung zuständig, der jüngste Sohn Thomas ist Prokurist der Auer Bau GmbH. Vier der fünf Auer-Männer sind Baumeister. „Wir sind damit die Familie mit den meisten Baumeistern Tirols“, schmunzeln Stefan und Klaus Auer. 

Eigentlich war es absehbar: Als Schüler arbeiteten die Söhne in den Ferien auf der Baustelle und im Unternehmen mit und bekamen so früh ein Gefühl für die Branche und die Selbstständigkeit. Klaus Auer war es zudem wichtig, dass sie sich weiterbilden und im Ausland Erfahrung sammeln konnten. Stefan Auer studierte in Graz, Salzburg und im Ausland. Der 46-Jährige stieg 2010 in den Betrieb ein. Klaus selbst ist mit bald 80 Jahren noch rund 20 Stunden pro Woche im Büro.

Auer Bau Infos

  • Mitarbeiter: rund 100, alle aus der Umgebung

  • Leistungen: Hochbau, Generalunternehmer (von der Grundstücksakquise über die Planung bis zur Übergabe) und Bauträger

  • Kunden: Hotels, Unternehmen und viele Privatpersonen

  • Projekte für die Region: Gewerbepark in Längenfeld für Ötztaler Unternehmen (gemeinsam mit der Gemeinde), Mitarbeiterwohnungen (Sölden, Obergurgl und Längenfeld), Aktuelle Projekte wie „Leistbares Wohnen“ in Oetz mit kostengünstigen Häusern, die von der Gemeinde vergeben werden

  • Zentrale: ehemalige Straßenmeisterei Umhausen

Ein Firmenstandort, der mehr Energie liefert, als er braucht

2023 übersiedelte Auer Bau von seinem alten Standort im Ort in die ehemalige Straßenmeisterei am Ortsrand von Umhausen. „Wir haben uns entschlossen, das Unternehmen weiterzuführen und einen neuen Standort zu beziehen, an dem man weiterwachsen kann“, sagt Stefan Auer. Der Umbau wurde zum Vorzeigeprojekt in Sachen Nachhaltigkeit: Wo früher 50.000 Liter Öl verbraucht wurden, liefert heute eine Photovoltaikanlage mit 250 kWp Strom. Mittlerweile wird mehr Energie erzeugt, als verbraucht und man versorgt sich zehn Monate im Jahr selbst.

Langjährige Mitarbeiter:innen, 3D-Visualisierungen und KI

Viele Mitarbeiter:innen bleiben von der Lehre bis zur Pension, manche mehr als 45 Jahre. Auer Bau fördert Aus- und Weiterbildung, die Fluktuation ist gering.

Gleichzeitig ist das Unternehmen bei moderner Technik vorn dabei. Schon in der Planung liefert Auer Bau Visualisierungen mit, die das künftige Projekt über eine VR-Brille sichtbar machen. Bauherren können ihr Haus oder ihr Hotel also begehen, bevor der erste Spatenstich gesetzt ist. Auf den Baustellen überwacht außerdem künstliche Intelligenz die Abläufe, um sie zu optimieren. Stefan Auer ist zudem Präsident von Baumeisterhaus Österreich, einem Netzwerk von Bauunternehmen, die sich mit Know-how, Austausch und Fortbildungen gegenseitig unterstützen und gerade das Thema Digitalisierung in den Mittelpunkt stellen.

Der Blick nach vorn

Mehr Anforderungen, mehr Konkurrenz, mehr Bürokratie und rechtliche Vorgaben, dazu eine schnelllebigere Zeit – die Herausforderungen der aktuellen Zeit sind bekannt. Für die nächsten zehn Jahre erwarten Klaus und Stefan Auer mehr Digitalisierung und dass das Thema Energie weiter an Bedeutung gewinnt, vor allem bei der Kühlung. Der Tourismus werde sich weiterentwickeln, aber anders: Es werde im Tal weniger Neubauten geben, dafür mehr Umbauten, Sanierungen und Qualitätsverbesserungen.

Pessimistisch sind sie deshalb nicht. „Wir sehen der Zukunft sehr positiv entgegen“, sagt Stefan Auer. Und es gibt noch einen Grund zur Zuversicht: „Zum Glück wissen Touristiker das regionale Angebot zu schätzen.“  Außerdem betont er: „Solange der Tourismus läuft, geht uns die Arbeit nicht aus.“

„Es war für mich immer selbstverständlich, dass ich einmal in den väterlichen Betrieb einsteige.“ 

 Klaus Auer

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„Solange der Tourismus läuft, geht uns die Arbeit nicht aus.“ 

Stefan Auer