E-Mobilität im Großformat
Wer denkt, E-Mobilität funktioniert nur bei PKWs, wird im Ötztal eines Besseren belehrt. Bereits drei regionale Vorreiter beweisen, wie der Spagat zwischen umweltfreundlichem und verlässlichem Transport gelingt – sogar bei tonnenschweren Lasten und hochalpinen Bedingungen.
Erstveröffentlichung am 22. Mai 2026
Maßstäbe bei der XXL-Elektromobilität
Die Elektrifizierung des Verkehrs hat die nächste Stufe erreicht: Nicht nur für Personenkraftwagen, sondern auch im Schwerlast- und Linienverkehr. Mit der Ötztaler Verkehrsgesellschaft (ÖVG), dem Längenfelder Traditionsunternehmen Gebrüder Scheiber und den Bergbahnen Sölden setzen gleich drei heimische Big Player auf emissionsfreie Antriebe und liefern die nötige High-Tech-Ladeinfrastruktur direkt mit.
Österreichs erster E-Kipp-Sattelzug im Härtetest
Wenn es um den Transport von Baumaterialien geht, sind maximale Kraft und Zuverlässigkeit gefragt. Die Firma Gebrüder Scheiber aus Längenfeld beweist seit November 2025, dass dafür kein Tropfen Diesel mehr nötig ist. Mit dem ersten elektrischen Kipp-Sattelzug Österreichs beliefert das Unternehmen vorwiegend Asphaltwerke im Tiroler Oberland und in Innsbruck.
Das Fazit nach den ersten Monaten im Dauereinsatz fällt positiv aus. Die Touren sind so exakt geplant, dass der LKW am Firmengelände steht, während der Fahrer seine gesetzliche Ruhepause einlegt. Inzwischen lädt auch der Truck frische Energie an der HPC-Schnellladestation. Geladen wird mit reiner Sonnenkraft aus der eigenen 500-kWp-Photovoltaikanlage.
Das Ganze funktioniert für uns so gut, dass das bestimmt nicht unser letzter E-LKW war.
Christian Scheiber, Gebrüder Scheiber GmbH
Fakten MAN eTGX
- Fahrzeug: MAN eTGX (Erster elektrischer Kipp-Sattelzug Österreichs)
- Einsatz seit: November 2025
- Nutzlast: 26.500 kg (bei 42.000 kg zulässigem Gesamtgewicht)
- Batterie & Laden: 534 kWh Bruttokapazität (480 kWh nutzbar) / Laden via eigener HPC-Schnellladestation am Betriebsgelände
- Öko-Bilanz: Ca. 25.000 Liter Dieseleinsparung & 66 Tonnen CO2-Reduktion pro Jahr
- Green Energy: Speisung der Ladestation durch betriebseigene 500-kWp-PV-Anlage
Ötztaler Verkehrsgesellschaft: Mit Sonnenkraft von Obergurgl bis Imst
Die Ötztaler Verkehrsgesellschaft (ÖVG) denkt Mobilität für die gesamte Region neu. Mittlerweile sind sechs hochmoderne Elektrobusse im Liniendienst zwischen Obergurgl und Imst integriert. Im Sommer 2026 folgt das nächste Highlight: der umweltfreundliche Einsatz als Timmelsjochbus. Die Busse im Liniendienst erreichen inklusive Zwischenladungen eine Tagesreichweite von über 500 Kilometern. Das maßgeschneiderte Netz aus Superchargern entlang der Strecke sorgt für die nötige Flexibilität und macht den Betrieb zukunftsfit.
Es ist unsere Aufgabe in dieser schönen Natur, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Das funktioniert nur mit elektrifizierten Flotten.
Franz Sailer, Geschäftsführer Ötztaler Verkehrsgesellschaft

Fakten e-Busse
- Flotte: 7 E-Busse im Linienbetrieb (Obergurgl – Imst) und im Sommer auf der Strecke übers Timmelsjoch
- Special Feature: Permanenter Radanhänger-Einsatz im Linienbetrieb (einzigartig im Verkehrsnetz)
- Reichweite: Über 500 km pro Tag (durch strategisches Zwischenladen)
- Ladeinfrastruktur:
- Feedback: Hohe Akzeptanz bei den Fahrern; Fahrgäste sind begeistert vom ruhigen Fahrgefühl.
Härtetest bis auf den Gletscher
Seit der Wintersaison 2023/24 testen die Bergbahnen Sölden in Kooperation mit dem Nutzfahrzeughersteller MAN die Alltagstauglichkeit von E-Bussen unter extremen alpinen Bedingungen. Kälte, Höhenmeter und maximale Auslastung im Skibusverkehr zwischen Längenfeld und Sölden sowie beim MitarbeiterInnen-Transport bieten dafür die perfekte Umgebung. Zum damaligen Zeitpunkt handelte es sich damit um einen der ersten E-Busse im Skibusverkehr. Das Fazit von Projektleiter Eberhard Schultes fällt positiv aus. Die Daten aus dem täglichen Einsatz im Winter und Sommer fließen direkt zurück in die MAN- Entwicklungsabteilung nach München. Für die nötige Power im Skibetrieb sorgt eine clevere Infrastruktur an der Parkgarage der Gaislachkoglbahn mit einer 150-kW-Schnellladestation mit zwei Anschlussmöglichkeiten.
Der Einsatz hat sich absolut bewährt. Grundvoraussetzung ist allerdings eine dementsprechende Ladeinfrastruktur, um während des Tages die Batterien innerhalb kurzer Zeit wieder aufzuladen.
Eberhard Schultes, Projektleiter Bergbahnen Sölden

Fakten MAN Elektrobus
- Fahrzeug: MAN Elektrobus mit 52 Sitzplätzen und speziellem BBS-Branding
- Einsatzbereich: Skibusverkehr (Längenfeld – Sölden) & Mitarbeiter-Shuttle
- Kooperation: Langfristiges Entwicklungsprojekt mit MAN München zur Erprobung in großen Höhenlagen
- Infrastruktur: 1x Supercharger mit zwei Anschlussmöglichkeiten (bis zu 150 kW) an der Parkgarage der Gaislachkoglbahn
- Fahrgast-Komfort: Höchste Laufruhe und komplett ruckelfreie Beschleunigung
Ein Beitrag der
Gebrüder Scheiber, Ötztaler Verkehrsgesellschaft & BBS
In Zusammenarbeit mit Ötztal Tourismus.