Im Einsatz für eine intakte Natur
Mit fünf Einsatzstellen und insgesamt rund 50 aktiven Mitgliedern leistet die Tiroler Bergwacht im Ötztal einen vielfältigen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz. Ihre Tätigkeit reicht von Information und Aufklärung über Abmahnungen bis hin zu Organstrafverfügungen und Anzeigen. Die Einsätze, etwa aufgrund von Wildcamping, erfolgen auch während der Tagesrandzeiten und gelten mitunter lokalen Schwerpunkten wie dem Schutz des sensiblen Naturraums Piburger See.
Erstveröffentlichung am 10.08.2026
Ehrenamtlicher Naturschutz im Ötztal
Kommendes Jahr feiert die Tiroler Bergwacht ihr 100-jähriges Bestehen. 1927 ins Leben gerufen, entstanden die lokalen Einsatzstellen dann ab den 1950er-Jahren. Die älteste im Ötztal ist jene in Längenfeld, gegründet 1956. 1968 folgte die in Oetz, weitere befinden sich in Umhausen, Sautens und Haiming-Silz. Einsatzstellenleiterin von Letzterer ist Ulli Hiel, zugleich 1. Stellvertreterin der Bezirksleitung Imst und zudem als Pressereferentin für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Was motivierte sie vor zehn Jahren, Mitglied bei der Tiroler Bergwacht zu werden?
Mich motiviert vor allem die Möglichkeit, aktiv zum Schutz unserer einzigartigen Natur beizutragen. Die Tiroler Bergwacht verbindet Naturschutz, Verantwortung und ehrenamtliches Engagement. Besonders wichtig ist mir, Menschen für einen respektvollen Umgang mit der Natur zu sensibilisieren. Und ein Miteinander mit anderen Einsatzstellen ist mir persönlich sehr wichtig!
Ulli Hiel, 1. Bezirksleiter-Stellv. und Pressereferentin des Bezirks Imst der Tiroler Bergwacht

©Tiroler Bergwacht, Bezirk Imst
Brennpunkt Piburger See
Die gute Vernetzung der Bergwacht zeigt das Beispiel Piburger See, wo Kolleg:innen aus anderen Einsatzstellen jene in Oetz unterstützen. Von Beginn an, Ende der 1960er-Jahre, legte die Bergwacht in Oetz besonderes Augenmerk auf das Landschaftsschutzgebiet und Naturdenkmal. In den letzten Jahren geriet das sensible Ökosystem zunehmend unter Druck, an Spitzentagen waren bis zu 1.500 Menschen am See. Um die negativen Auswirkungen einzudämmen, setzt die Bergwacht insbesondere auf verstärkte Informationsarbeit. So klärt sie die Besucherinnen und Besucher über die naturschutzrechtlichen Bestimmungen und geltenden Verhaltensregeln auf. Dazu gehört u. a. die Sensibilisierung für die ökologische Empfindlichkeit des Sees, das Verhindern von „Wildbaden“ außerhalb des dafür vorgesehenen Seeabschnitts oder auch der Schutz der Vegetation am Uferstreifen vor Niedertrampeln oder Belagern.
Die Aufklärung nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein. Unser Ziel ist es, Menschen über richtiges Verhalten in der Natur zu informieren und Verstöße möglichst durch Gespräche und Information zu verhindern. Oft lassen sich Konflikte bereits durch ein freundliches Gespräch lösen.
Ulli Hiel
Konsequentes Vorgehen gegen Wildcamping
Dass Wildcamping im Ötztal ein unübersehbares Problem darstellt, bestätigt Ulli Hiel. Im Vergleich zu anderen Gebieten wurden im Ötztal die meisten Organmandate für dieses Vergehen ausgestellt. Anzutreffen sind Wildcamper:innen auch im Winter, doch deutlich häufiger im Sommer – und das in einigen Bereichen regelmäßig. So etwa an der Ache und im Wald sowie an Ausgangspunkten beliebter Wander- und Tourengebiete. „Auch die Parkplätze bei Liftanlagen werden sowohl im Sommer als auch im Winter immer wieder zum Nächtigen genutzt. Sogar mitten auf Skipisten oder Weideflächen wird übernachtet. Das haben wir alles schon erlebt“, berichtet die Bergwächterin. Häufig bleiben zudem Müll und andere Hinterlassenschaften zurück, wie sie ergänzt.
Freundlich & lösungsorientiert
Dass Bergwächter:innen bei Kontrollen auf Unverständnis oder auch aggressives Verhalten stoßen, kommt vereinzelt vor, so Ulli Hiel. „Dennoch versuchen wir stets, ruhig, sachlich und respektvoll zu bleiben. Für das sind wir dementsprechend geschult. Die große Mehrheit der Gespräche verläuft freundlich und lösungsorientiert.“ Der Umgangston habe sich zwar teilweise verändert, doch nach wie vor gebe es viele positive Begegnungen und werde der ehrenamtlichen Arbeit große Anerkennung gezollt. „Obwohl die Kontrollen ausschließlich in der Freizeit erfolgen und mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden sind, finden sich immer wieder engagierte Bergwächterinnen und Bergwächter, die diese Aufgabe übernehmen. Dieses Engagement zeigt den hohen Stellenwert des ehrenamtlichen Naturschutzes innerhalb der Tiroler Bergwacht“, wie sie unterstreicht. Um neue Mitglieder zu gewinnen, sei es wichtig, die vielfältigen Aufgaben der Bergwacht sichtbar zu machen und jungen Menschen zu zeigen, wie wertvoll ihr Beitrag zum Schutz unserer Natur sein kann.
Die Tiroler Bergwacht bietet die Möglichkeit, aktiv Verantwortung für unsere einzigartige Natur zu übernehmen. Man leistet einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz, arbeitet in einem engagierten Team und erlebt, wie sinnvoll ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft sein kann.
Ulli Hiel