Zwischen Freeride & Festivalbühne

Erstveröffentlichung am 24. März 2026

Technische Präzision auf 2.300 Metern

Top-Erlebnisse als Anspruch

Wenn am Giggijoch beim Electric Mountain Festival internationale Top-Acts auftreten, läuft im Hintergrund eine komplexe Logistik. Daniel Leiter sorgt dafür, dass alles funktioniert. Der Ötztaler ist Sound-Engineer der Mainstage am Giggijoch und trägt die technische Gesamtverantwortung vor Ort.

 

Seine Arbeit beginnt lange vor dem ersten Ton. Über rund drei Wochen hinweg plant, koordiniert und steuert der Event-Experte den gesamten Ablauf des internationalen Top-Festivals. Von der Anlieferung der Sattelzüge mit Technik ins hochalpine Eventgelände bis zur tontechnischen Verantwortung während der Veranstaltung. Die Arbeitsumgebung mitten im Skigebiet und auf 2.300 Metern Seehöhe stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen – Transporte zur Bühne sind erst nach Betriebsschluss der Bergbahnen möglich, laufend muss zwischengelagert werden. 

Beruf? „Ton Leiter”

Leiter koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Bergbahnen Sölden, Bühnenbau, Ton- und Lichttechnik sowie Videoproduktion. „Im Team beschreibt man meine Rolle als jene eines technischen Leiters. Ich denke, das trifft es ganz gut“, so der Mitfünfziger. Angelehnt an seinen Familiennamen trägt der Soundspezialist ein T-Shirt mit dem selbstironischen Aufdruck „Ton Leiter“. Seine Funktion beleuchtet er mit Understatement: „Viele Beteiligte sorgen für den reibungslosen technischen Ablauf beim EMF. Allen voran Woli Waldhart, der operative Event-Verantwortliche und Werkstättenleiter der Bergbahnen Sölden mit seiner Mannschaft. Nur gemeinsam lässt sich so eine Veranstaltung im Hochgebirge realisieren.“

Einst Knochenjob, heute Planungs­aufgabe

Die Riesenbühne, vor der schlussendlich Tausende zum Sound der globalen DJ-Elite feiern, steht auf einem von Leiter präzise vermessenen Schneepodest. Unter dem Schnee verlaufen fix verlegte Schächte mit Leitungen für die gesamte Infrastruktur. Zwölf Netzwerkleitungen für Audio, Video und Kameras sowie acht SDI-Leitungen für die Signalübertragung der Videoproduktion sind nötig. Die Bergbahnen Sölden stellen für die Bühnentechnik vier 125-Ampere-Stromanschlüsse bereit.

„Am Anfang meiner Laufbahn war der Einsatz beim EMF ein richtiger Knochenjob. Heute geht es für mich weniger um körperliche Arbeit. Der Schwerpunkt liegt jetzt auf Planung und Koordination der vielen technischen Gewerke“, sagt der Sölder.

Zuhause im freien Gelände

Abseits der Bühne bewegt sich Daniel Leiter in einer völlig anderen Umgebung. Als staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer ist er seit vielen Jahren als Freeride-Guide unterwegs. Seine Laufbahn begann klassisch. Nach einer Lehre im Sporthandel folgten alle Skilehrer-Ausbildungen. Mit der Zeit verlagerte sich sein Schwerpunkt von der Piste ins freie Gelände.

Dort fand der gebürtige Niederthaier, der heute mit seiner Familie in Sölden lebt, seine eigentliche Berufung als Guide. „Beim Freeriden bist du in einer anderen Welt unterwegs. Du kannst Menschen Erlebnisse bieten, die sie so nicht kennen. Das ist eine enorm befriedigende berufliche Erfahrung“, so Leiter. In seinem Heimgebiet rund um Sölden kennt er jeden Hang und jede Geländekammer. Auch wenn aufgrund der Popularität des Freeridens und Tourengehens der Andrang abseits der Pisten gewachsen ist, findet er immer noch Rückzugsräume.

Zwei Standbeine, ein Gleichgewicht

Die Kombination aus Skiguide und Tontechniker gibt ihm eine besondere Freiheit. Wenn die Bedingungen im Gelände nicht passen, kann er pausieren. Seine zweite berufliche Säule als Sound-und Event-Techniker ermöglicht diese Unabhängigkeit.

In schneereichen Wintern ist er der zweifache Familienvater bis zu fünf Tagen pro Woche im freien Gelände unterwegs. Mit erfahrenen Gästen bewältigt er dabei bis zu 8.000 Höhenmeter pro Tag.

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Am Mischpult bei den Top-Stars

Gleichzeitig bringt ihn seine Arbeit als Tontechniker auf internationale Bühnen. Über Jahre war er bei großen Produktionen und Festivals in ganz Europa im Einsatz und hat Live-Mixe für internationale Top-Stars verantwortet. Darunter Namen wie Anastacia, Nena, Umberto Tozzi, James Blunt oder auch die A-Liga der heimischen Musikwelt wie Wanda, Pizzera & Jaus oder Herbert Pixner. Nicht zuletzt durch seine Arbeit beim EMF hat er die Regler bei Auftritten der größten Stars der DJ-Welt wie Steve Aoki, Martin Garrix oder Robin Schulz bedient.

Der Weg hinter die Bühne

Der Einstieg in die Tontechnik begann für den Event-Profi früh. Als junger Musiker spielte Leiter Gitarre. Die damals benötigten 7.000 Schilling (heute ca. 500 Euro) hat er sich beim Ferialjob auf der Larstigalm oberhalb von Niederthai verdient. Bald entdeckte er im Proberaum sein besonderes Interesse an der Arbeit mit Mischpulten.

Ich habe gemerkt, dass ich nicht ins Rampenlicht will, sondern lieber im Hintergrund arbeite.

Über erste Einsätze am Giggijoch Anfang der 2000er-Jahre entwickelte sich daraus ein zweites Berufsfeld. Empfehlungen aus dem Umfeld der Bergbahnen Sölden verschafften ihm Kontakte in die professionelle Eventtechnik.

Heute verbindet er beides: die Ruhe des freien Ski-Geländes mit der Präzision großer Live-Shows. „Ich kann mich glücklich schätzen über meine berufliche Entwicklung. Die habe ich in dieser Form den Möglichkeiten zu verdanken, die ich im Ötztal vorgefunden habe. Das  ist mir sehr bewusst und dafür bin ich dankbar“, betont Leiter.

Kurzprofil Daniel Leiter

  • Geboren 1971
  • Aufgewachsen in Niederthai
  • Wohnhaft in Sölden
  • Verheiratet, Vater von zwei Söhnen
  • Liebstes Offpiste-Gebiet: Besental und Pollestal
  • Beruf: Ton- und Eventtechniker 
  • Zweites Standbein: Freeride-Guide